Ginge es um ein Vielfaches zurück, ich richtete das Wort an die eine Wiege, die mir Sicherheit und Wärme gab, in der unbilden Arroganz schwereloser Kindheit. Als ich das Schleifenbinden auf einem Stoffkissen mit Geschenkband erlernte. Als ich dir im Winter aufhalf, wenn du rücklings im Schnee versankst. Du warst mir Lehrer, warst die Sorge um mein Wohlergehen, die Heiterkeit, ein Halt in jener Nachbarschaft. Ich war und bin die Ohnmacht eines Dankes deiner Taten. Verzeih und sei dir meiner Klage um deines letzten Ganges stets bewusst. Nun sorge ich, wo du nun weilst und ob ich deines Stolzes würdig bin.
† Helga Schrade, 16. Februar 2010
Erst gestern war es, da knipste ich das letzte Licht an meinem Nachttisch aus und sah REM-Schlaf Augen rollend all die visuellen Informationscluster durch mein undigimondänes Raster flitzen. Mechanisch verzerrte Stimmen diktieren betont autoritär zum Schämen ins Unterbewusstsein, zum Gruppenkuscheln im Vergessen oder kopieren von REM nach RAM, bevor der Reboot folgt.
Von Androidenhand fährt die obere rechte Ecke – nicht schwarz1,2 – aus dem Gesicht gen Dielenboden. Augen und Körper klappen auf. Die frische Lochdiskette von gestern Abend hat Bandsalat, ich schiebe eine neue in die Achselhöhle und lade über den Tag verteilt durch Körpermagnetfeldinduktion neue Videoclips aus meinem heftigen Allerweltsgewedel darauf herunter. Das ist Arbeitsspeicher(n). REM, Schämen, Vergessen, Reboot.
Vergrub mein Aug in einen Schädel,
der durch Hatz und Schweiß getrieben,
der weder mein, noch furchtbar edel,
ach, wär’ ich doch nur hier geblieben.
Still verfloss das Maß der Tüchtelei,
begrub es mich und all jenes, das mich hellt,
kaum mit mir, doch wohl an mir vorbei,
dem jenen Ort, der nicht ins Hier und Heute fällt.
So einsam, so verlassen von den Leben
all der Menschen und endlich aufgegeben.
Da stehst du nun – steinerne Schönheit.
Ich kann’s nicht verstehen.
Was hast du nur getan so vergessen zu werden?
Du warst immer so stark und groß
und so voll Leben und zauberhaft.
Ich lief schon auf Kinderbeinchen
durch dein festes Mauerwerk.
Habe wohl die Welt entdeckt – damals.
Und war ich erschöpft, botest du mir
wonach mich verlangte.
Und ich trat dich, tat dir Leid,
doch verziehen war das Herz schon wenn’s geboren.
Ach du; du weißt doch genau was lieben heißt.
Wir nahmen dich in unsere Mitte, deinen Boden
mit unseren glühend schmelzenden Körpern liebkosend
- Hingabe unter deinem Schutze.
Du schautest mild lächelnd über uns hinweg.
In die Schleierwelten wanderte dein Blick.
Oh mein gütiger Lehrer, wie oft folgte ich dir,
wohin nur du belebtest mich.
Und so viele fanden Zuflucht bei dir,
ihre Heimat hatte dich zur Mitte.
Sie brachten dir ihr Lachen als Dank.
Die Freuden hast du genossen – ich weiß.
Unser aller Streben gab dir immer auf’s neue
eine warme, sanfte Decke gegen den Tod,
wir erweckten dich mit uns zum Leben.
Deine Güte machte uns alle gleich.
Du warst ein Kind, wie ich
auch einmal deines war, dich liebend.
Und als Brüder trotzten wir allen Unbilden.
Die Welt war ein zartes Rauschen.
Doch was geschah mit dir – mit mir,
mit uns schritt die Zeit, ich weiß.
Sie ist unerbittlich! Und doch,
warum kann sie uns bezwingen?
Du bist doch der wahre Recke,
ich bin doch ein großer Krieger.
Wir fochten seit je gemeinsam.
Nie waren wir verloren.
Und heute stehst du hier vor mir,
die Heimat der Familie.
Und du weinst mit mir – wir trauern
den verflogenen Siegen nach.
Komm, müder Gefährte,
ich will deinen Weg ebnen, dich stützen.
Du wirst nicht vergessen – nicht vin mir.
Wir erzählen uns noch ein paar Zeilen Erinnerung.
Du kannst gern deine Tore an mich lehnen.
Natürlich. Ich werde die Last mit dir teilen.
Sie wird dich nicht beschämen, immer hat sie’s versucht.
Verflucht! Warum wir, lebenslanger Freund?
Sieh, ich krieche neben dir – verzweifelt.
Eine Träne! Halt sie! Sie sollte doch nicht fliehen.
Doch wir haben noch so viele für einander.
Ein ganzes Meer ist noch zu befreien.
Ja mein Freund, leg dich nieder.
Ein wenig des Schlafes nur – Ein Traum,
dein letzter ist unerhört.
Du bist der Odem einer neuen Welt.
Lass mich nicht los, nicht jetzt.
Ich seh dich gerne an, auch mit den Narben.
Du bist sterbend schöner als ein junger Spross.
Leb wohl. Ich liebe dich.
Leut‘, so reißt die Augen auf,
die Sonne lacht aus hellem Bauch.
Ihr Gärtner müsst die Blümchen gießen,
dass ihre Blätter auf gen Himmel sprießen.
Ihr Imker sollt den Honig schleudern,
den die Bienchen gierig aus den Blüten säubern.
Wie grün sind Wald und Wiesen an den Seen,
wo Touristen sich gern liegen sehn.
Mensch, besing‘ das Glück mit lautem Ton,
Sie wartet kraftvoll leuchtend schon,
Wärme, Wind und Farb sind ihr Geleit,
des Herzen schmiegsam Sommerkleid.
Vom Lichte nur ein Spiegel,
ist klarer Sternenpracht ein stetes Siegel.
Will er aus dem Dunkel diese Welt ertasten,
verweilt, wo so viele ihre Sorgen lasten.
Die Ufer bleiben stumm,
ängstlich gehen Schatten um.
Einsam kam er angeschlichen,
ist einsam bald dem Tag gewichen.
Er steht all jenen zu Gesicht,
die da branden in der Traumes Gischt.